Texte zu den Vorschlägen 2010


 

Der Verkauf des Niedersächsischen Münzkabinetts durch die Deutsche Bank an das Land Niedersachsen


Ein Artikel zum Thema: Stefan Roth, Eine königliche Sammlung, das neue niedersächsische Münzkabinett, in: Numismatisches Nachrichtenblatt (NNB), 60.Jg., Januar 2011, S. 5-9

Am 8.12.10 berichtete die Neue Presse über neue Meinungsverschiedenheiten im Niedersächsischen Parlament zum Thema "vereinigte Münzsammlungen". 

Zeitgleich mit der Ausstellungseröffnung im Landesmuseum erschien eine Stellungnahme der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, die weitere Perspektiven aufzeigen wollte. Die SPD-Fraktion setzte sich für eine Vernetzung und Zusammenführung der Münzsammlung des Landesmuseums mit anderen Sammlungen im Lande ein. Einen entsprechenden Antrag hatte die SPD-Fraktion im Mai dieses Jahres in den Landtag eingebracht (s.u.). Hannover würde durch die Zusammenlegung aller Münzkabinette den Standorten Berlin, München und Dresden vergleichbar sein. In Hannover kann etwas Einzigartiges geschaffen werden. --> neue Notiz von D. Behrens v. 3.9.10,   --> Pressemitteilung der SPD vom 3.9.10

 

Nachdem das Land Niedersachsen das sog. "Münzkabinett" von der Deutschen Bank gekauft hat, gibt es seit dem 3.9.10 eine erste Ausstellung im Landesmuseum in Hannover, bei der die ersten wertvollen Ausstellungsstücke aus dem niedersächsischen Münzkabinett zu sehen sind. --> Artikel in der HAZ vom 4.9.10,  --> Artikel in der Welt vom 10.9.10

 

Die SPD-Fraktion setzt sich für eine Vernetzung und Zusammenführung der Münzsammlung des Landesmuseums mit anderen Sammlungen in Niedersachsen ein und hat Anfang Juni 2010 einen entsprechenden Antrag in den Landtag eingebracht. Niedersachsen hat die Chance, in diesem Bereich der Kulturgeschichte zu einem nationalen und internationalen Anziehungspunkt zu werden, denn die in Niedersachsen heimischen Münzsammlungen sind in ihrer Gesamtheit einzigartig. --> Notiz von D. Behrens  

 

In "Welt Online" erschien am  12.2.10 ein sarkastischer Artikel zum Thema "Kunst und Börse haben vieles gemeinsam", der sich kritisch mit dem Ankauf von Kunst durch Banken auseinandersetzt. Nicht archäologisch aber lesenswert. Und beim letzten Abschnitt geht es um den Welfenschatz  

Ein weiterer Artikel von Dr. Ursula Kampmann mit dem Titel "Welfensammlung bleibt in Hannover" erschien im NNB (Numismatisches Nachrichtenblatt), Februar 2010, auf S. 67. 


In der online-Münzzeitschrift www.muenzenwoche.de schrieb Ursula Kampmann ohne Datumsangabe im Januar 2010:
Welfensammlung bleibt in Hannover
Nach langem Ringen steht es nun fest. Die Welfensammlung bleibt in Hannover. Das Land Niedersachsen kauft das einmalige Kabinett für 5 Millionen Euro ? ein Schnäppchenpreis, wenn man überlegt, welche Kostbarkeiten die Sammlung enthält.

 

Am 14. Dezember 2009 gab die Hannoversche Allgemeine Zeitung Entwarnung: Die Zerschlagung einer der letzten großen fürstlichen Sammlungen in Privatbesitz stand nicht mehr zur Debatte. Zwischen der Deutschen Bank und dem Land Niedersachsen war es zu einem Kompromiss gekommen. Für fünf Millionen Euro wechselte die Welfensammlung den Besitzer. 40.000 Münzen und Medaillen beinhaltet diese Sammlung, die von den welfischen Herrschern seit Mitte des 18. Jahrhunderts aufgebaut worden war. Da in dieser Zeit die Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg gleichzeitig in Personalunion Könige von Großbritannien und Irland waren, finden sich darin nicht nur deutsche Raritäten, sondern auch englische Münzen sowie Seltenheiten aus dem britischen Weltreich. Schon 1983 drohte eine Abwanderung ins Ausland. Damals planten die Welfen den Verkauf der Sammlung über ein britisches Auktionshaus. Das verhinderte die Deutsche Bank durch ihren Ankauf. Sie zahlte 16,2 Mio. DM für die 40.000 Objekte.
Seitdem lagerte die umfangreiche Kollektion im Hauptquartier der Deutschen Bank in Hannover, Teile davon waren in einem eigenen Raum ausgestellt. Betreut hat sie Reiner Cunz, dem diese Arbeit auch erhalten bleibt: Nun zieht die Sammlung ins Niedersächsische Landesmuseum um, bei dem Reiner Cunz als Numismatiker angestellt ist. Natürlich will die Politik die für Bürgergeld angekauften Schätze möglichst bald einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. So verkündete der Kulturminister Lutz Stratmann: "Wir sind optimistisch, daß wir bereits im kommenden Jahr eine erste Ausstellung zum Münzkabinett eröffnen können." Und selbstverständlich werden einige spektakuläre Stücke 2014 im Rahmen der großen Landesausstellung anläßlich des 300-Jahr-Jubiläums der Personalunion Hannover-Großbritannien gezeigt. Diese Einigung im Sinne der Numismatik ist auch und vor allem ein Verdienst der zahlreichen und energischen Proteste der verschiedenen Vereine und Verbände. Die Deutsche Numismatische Gesellschaft hatte ihre 3.000 im In- und Ausland gesammelten Unterschriften zum rechten Zeitpunkt vorgelegt. Der Verbleib der Sammlung in Hannover ist ein Zeugnis dafür, dass es sich für die Münzensammler lohnt, sich zusammenzuschließen. Nur so kann man auf höherer Ebene wirksam die Interessen der Numismatik vertreten.

 

Im 71. Rundbrief der Numismatischen Gesellschaft zu Hannover vom 3.1.2010 schrieb deren Präsident Dr. M. Gutgesell: "...Aber das wichtigste und erfreulichste Ereignis der letzten Wochen war der Ankauf der Sammlung des Königreichs Hannover (der sog. „Welfensammlung“) durch das Land Niedersachsen. Damit bleibt die Sammlung in ihrer Geschlossenheit erhalten, und dafür können wir uns nur beim Ministerpräsidenten, Herrn Wulff, bedanken, der durch seinen Einsatz und 5 Mill. Euro aus dem Bundesstrukturfonds einen anderweitigen Verkauf der Sammlung verhindert hat. Auch der Deutschen Bank gebührt unser Dank, dass sie den Preis so niedrig gehalten hat, dass das Land überhaupt zum Zuge kommen konnte. Und nicht zuletzt danke ich persönlich allen Unterstützern, die an der Unterschriftenaktion der DNG teilgenommen haben, aber auch den vielen Kollegen und Freunden aus der internationalen Numismatik, die durch ihre Briefe an den MP, den OB und natürlich an die Deutsche Bank die Zerschlagung der Sammlung zu verhindern geholfen haben."

Am 5.12.09 meldete die Neue Presse, Hannover, dass der Verkauf der gesamten Münzsammlung an das Land Niedersachsen vor dem Abschluss stünde. Lediglich der zukünftige Ausstellungsort müsse noch festgelegt werden.
Und am 15.12.09 berichtete dann die Hannoversche Allgemeine Zeitung endlich, dass nicht nur der Kauf der vollständigen Sammlung einschließlich der umfangreichen Bibliothek für 5 Millionen Euro durch das Land Niedersachsen erfolgreich war, sondern dass diese Münzsammlung auch im Niedersächsischen Landesmuseum eine endgültige Bleibe bekommen soll.
Auch die Deutsche Bank gab eine Pressemeldung heraus, in der sie ihren Beitrag zur Rettung niedersächsischen Kulturguts würdigte.

Ende August 2009 gab es noch keine neuen Fakten zur Zukunft der Welfensammlung. Die Unterschriftenaktion der DNG erbrachte immerhin knapp 3000 Unterschriften, die demnächst an die Deutsche Bank übergeben werden sollen.

 

Im 69. Rundbrief der Numismatischen Gesellschaft zu Hannover vom 16.5.09 schrieb Dr. Manfred Gutgesell:
Die Verhandlungen zwischen der Deutschen Bank, dem Land Niedersachsen und der Stadt Hannover sind immer noch nicht abgeschlossen. Es kristallisiert sich allerdings heraus, dass die Sammlung wahrscheinlich für Niedersachsen erhalten bleibt. Sicher ist das aber immer noch nicht! Sollte die Sammlung in Niedersachsen verbleiben, so bleibt sie wahrscheinlich auch in Hannover, wo sie auf Grund ihrer Geschichte ja auch hingehört. Welche Institution allerdings den Zuschlag erhalten wird, steht noch in Sternen. Im Gespräch ist natürlich die bedeutendste Münzsammlung ganz Norddeutschlands im Museum August Kestner. Außerdem hat man angedacht, ein eigenes Münzmuseum zu schaffen, in dem alle Sammlungen Hannovers zusammengeführt werden könnten. Das dürfte wegen der organisatorischen und finanziellen Probleme allerdings kaum zu realisieren sein. Seine Ansprüche hat auch das Landesmuseum in Hannover angemeldet mit guten Chancen, weil das Land als Eigentümer auftritt und die Sammlung daher an eine Landesinstitution geben kann – so jedenfalls die Neue Presse am 04.05.2009. Wie dem auch sei: wichtig ist erst einmal, dass die Sammlung in Hannover verbleibt, alles weitere wird sich finden. Daß wir als Standort natürlich das MAK befürworten, steht außer Frage. Denn es wäre schon bedauerlich, wenn man den „numismatischen Flickenteppich“ in Hannover weiterführen und damit die einmalige Chance vergeben würde, das MAK auf einen Schlag zu einem Münzmuseum von Weltgeltung zu machen.

 

Der Sachverhalt war auch vom Niedersächsischen Heimatbund aufgenommen worden, der den drohenden Verkauf in seine Rote Mappe 2009 übernahm, die am 16.5.09 anläßlich das 90. Niedersachsentages in Alfeld an Ministerpräsident Christian Wulff übergeben wurde.

 

Dr. Cunz hat bei der Eröffnung der Münzausstellung im August-Kestner-Museum Hannover (die HAZ berichtete am 25.6. darüber - Simon Benne: "Der Medienkaiser") seinen Dank für die Hilfe des ArchAN in Internet und in Roter Mappe in Sachen "Rettung der Welfensammlung" gedankt. Zur Zeit sei eine gewisse Ruhe zu diesem Thema eingekehrt, die jedoch nicht unbedingt  Entwarnung bedeute.

Am 28.2.09 berichtete die Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ), dass für den Erwerb des "Niedersächsischen Münzkabinetts" nach Angaben von Ministerpräsident Wulff mehrere Millionen Euro bereit stehen. Im April begannen neue Verhandlungen. Daran waren neben dem Kulturministerium und der Bank auch Stiftungen beteiligt, da das Land den Ankauf der Sammlung kaum allein finanzieren kann. Die Deutsche Bank hatt die Münzen 1983 für 16,2 Millionen Mark von den Welfen erworben, und spekulierte wohl auf einen ähnlich hohen Verkaufserlös.

 

Die Deutsche Numismatische Gesellschaft hatte in der Januarausgabe 2009 des Numismatischen Nachrichtenblattes einen Beitrag des renommierten Numismatikers Ulf Dräger veröffentlicht: "Ein Münzkabinett steht zum Verkauf!  - Droht die Zerschlagung des Niedersächsischen Münzkabinetts durch Braunschweiger Münzenhändler?"
In diesem Beitrag wurden zwei Schreiben des Präsidenten der Deutschen Numism. Gesellschaft, Dr. Helmut Schubert, abgedruckt, die er an Professor Dr. Ackermann als Vorsitzenden des Vorstandes der Deutschen Bank und an den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen gerichtet hatte. Darin heißt es u.a. wörtlich: "Die Welfensammlung mit ihren 40.000 Stücken steht einzig da, sie sucht ihresgleichen, verfügt sie doch über Stücke von höchster Selteneit und schönster Erhaltung. Die Welfensammlung, von König Georg II. begonnen, zählt zu den herausragenden Kulturgütern des Landes Niedersachsen und der Stadt Hannover."
Nun drohte ihre Zerschlagung, da die Deutsche Bank die Sammlung verkaufen wollte, was bisher nur vorübergehend in letzter Minute gestoppt werden konnte.


diverse Internet-Links zum Thema:

 

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Artikel der NP vom 08.12.2010
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Artikel NNB 2/10
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Aufruf zur Unterschriftenaktion der Deutschen Numismatischen Gesellschaft
Aufruf_Welfen_Sammlung.pdf
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Antrag der SPD
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Texte zu den Vorschlägen 2009


Neuordnung Archäologie und Denkmalpflege


Nachdem die bisherige Präsidentin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege aus Altersgründen in den Ruhestand geht, möchte der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Lutz Stratmann, nach eigenem Bekunden Archäologie und Denkmalpflege in Niedersachsen künftig deutlich stärken, indem das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD), das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK) und das Braunschweigische Landesmuseum zu einem neuen "Institut für Archäologie und Baudenkmalpflege" zusammengelegt werden.
Dem neuen Institut sollen außerdem angehören:
- die Abteilung praktische Bodendenkmalpflege mit ihren vier Bezirksarchäologen (BS, H, LB, OL)
- die Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege mit ihren vier Stützpunkten (BS, H, LB OL)
- die Abteilung eGouvernment (ADAB-Web)
Über allem soll ein neuer Präsident des Niedersächsischen Landesamtes stehen: Offenbar konnte für den Posten ein rennomierter Archäologe, Prof. Dr. Alfried Wieczorek aus Mannheim gewonnen werden.

 

Die Pressemitteilung vom 4.7.08 kann auf der Homepage des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur abgerufen werden.

 

Mitte November erschienen dann Pressemeldungen, denen zufolge Prof. Dr. Alfried Wieczorek seine Zusage zurückgezogen hat und nun doch am Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim bleibt. Offenbar hat Mannheim an attraktiveres Angebot als Niedersachsen abgegeben.
Die Stelle des Präsidenten des Landesamtes muss nun neu ausgeschrieben werden. Laut Minister Stratmann möchte er weiterhin die Archäologie in Niedersachsen optimieren.
Mitteilung des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur vom 13.11.08   -   Artikel in der Nordwest-Zeitung am 14.11.08

 

Und zum Thema noch ein interessantes Interview mit Professor Dr. Gottfried Kiesow über die Ohnmacht der Denkmalschützer, den großen Nachholbedarf im Westen und das schnelle Verfallsdatum der Architektur („Kluge Kommunen setzen auf den Denkmalschutz“) in der Kulturland Oldenburg. Zeitschrift der Oldenburgischen Landschaft, Heft 137, Ausgabe 3. 2008, Seite 2 (bitte dort den ganzen Artikel durchscrollen, der interessante Teil folgt weiter unten)

 

Diese Vorwürfe von Prof. Dr. Kiesow wurden von Minister Stratmann zurückgewiesen: „Die Realität zu stark verzeichnet / Bitte genauer hinsehen“.
Kulturland Oldenburg. Zeitschrift der Oldenburgischen Landschaft, Heft 138, Ausgabe 4, 2008, Seite 38 (bitte dort den ganzen Artikel durchscrollen, der interessante Teil folgt weiter unten)

 

Und noch ein interessanter Artikel mit dem Titel "Geplatzte Familien-Zusammenführung oder gepumptes Glück" zum o.g. Thema, den die "Interessengemeinschaft Bauernhaus" in ihrer Zeitschrift "Holznagel" veröffentlicht hat: siehe untenstehenden Downloadlink
-      Homepage der Interessengemeinschaft Bauernhaus

Ende März 2009 war dann in der Presse zu lesen, dass Dr. Stefan Winghart neuer Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege werden soll. Dieser ist seit 2003 Landeskonservator in Thüringen und hat Ur- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte und klassische Archäologie studiert. ---> kurzer Artikel in der NWZ am 3.4.09

 

Und im April 2009 kam dann noch ein kleines Desaster bezüglich des neuen Museumsdirektors für Braunschweig hinzu, denn auch da erfolgte eine Absage eines als sicher eingeschätzten Kandidaten. --> Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung am 3.4.09

Unser Kultusministerium hat z.Z. einfach kein glückliches Händchen!

Dr. Bernd Rothmann

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Artikel Holznagel 6/08
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Das Land schleicht sich aus der Pflicht!


In 2007 kamen Informationen auf, dass Naturdenkmäler, die sich im Besitz des Landes Niedersachsen befanden, zum Verkauf angeboten wurden. Dabei handelte es sich z.Z. ausschließlich um Objekte aus dem Bereich des Forstamtes Neuenburg. Die Großsteingräber in Steinkimmen und Stenum wurden an die Gemeinde Ganderkese verkauft, die Gemeinde prüfte damals, ob sie auch den Heidenwall von Delthun erwerben wollte, was sie dann aber doch nicht tat. Darüber hinaus wurde eine Wallanlage bei Wiefelstede an eine Privatperson verkauft, nachdem die Gemeinde ihr Kaufinteresse zurückgezogen hatte.
Ich habe Anfang 2008 Rücksprache mit dem Forstamt Ahlhorn gehalten, in dessen Zuständigkeitsbereich Kostbarkeiten wie Visbeker Braut und Bräutigam, Glaner Braut etc. liegen. Die Leiterin des Forstamtes, Frau Dörrie, hat mir bestätigt, dass es beim Forstamt Ahlhorn keinerlei Verkaufsabsichten gibt.

M. Haking von den Niedersächsischen Landesforsten in Braunschweig teilte mir im Februar 2008 mit, dass es sich bei den bisherigen Verkäufen um sog. "Streubesitz" gehandelt habe, d.h. um kleine Einheiten, die keine Anbindung an große Landesforsten hatten, und dass die Verkäufe auf Wunsch der Gemeinde zustande gekommen seien. Jeder Verkauf sei als Einzelfall zu betrachten.

Wer nun gedacht hat, die Angelegenheit sei damit erledigt, wurde Ende September 2008 eines besseren belehrt. Die Presse meldete den Verkauf des Großsteingrabes Steenberg (Sandhatten) durch das Forstamt Neuenburg an die Gemeinde Hatten. Schon wieder ein Einzelfall! Der Bürgerverein Sandhatten hat am 20.9. die Pflege des Großsteingrabes übernommen. Und man muss bestätigen, dass kurz danach mit Pflegearbeiten an der Grabanlage begonnen wurde.

Aber auch damit war der "Ausverkauf noch nicht zu Ende. Inzwischen wurde das Waldstück "kleiner Mittelhoop" südlich von Bookholzberg, das von Hügelgräbern durchsetzt ist, an Privat verkauft. Dem Vernehmen nach war der neue Besitzer über diese Hügelgräber gar nicht informiert.

Bereits 1819 erließ die Herzogliche Kammer zu Oldenburg die erste Verordnung, derzufolge Großsteingräber und Grabhügel möglichst erhalten und vor Zerstörungen bewahrt werden sollten. Das Herzogtum Oldenburg kaufte in den folgenden Jahren die meisten Grundstücke, auf denen sich Großsteingräber befanden, um eine drohende Zerstörung zu verhindern. Heute scheint - zumindest in einigen Fällen - der umgekehrte Weg begangen zu werden. Zwar sind die Anlagen durch das niedersächsische Denkmalschutzgesetz von 1979 geschützt, und der Verkauf an eine Gemeinde gehört gewiss zu den kleineren Übeln,  jedoch gehört es meiner Meinung nach auch heute zu den vornehmsten Pflichten des Staates und auch des Landes Niedersachsen, Kulturgüter für die Allgemeinheit zu schützen und zu erhalten!

Dr. Bernd Rothmann

siehe auch Artikel auf S. 20 der Zeitschrift "Der Holznagel", Heft 2, 2009


 

Der "Steinklau" geht um...
Feldbegehung
von Großstein- und Hügelgräbern in der Wildehauser Geest - 2006-2008


Vom Frühjahr 2006 bis zum Herbst 2007 führte das Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Archäologische Denkmalpflege in Oldenburg, Dr. Bernd Rothmann, eine Feldbegehung nahezu aller bekannten Großstein- und Hügelgräber in der Wildeshauser Geest durch. Die aktuellen Fotos, Zustandsbeschreibungen und Vergleiche mit der Bestandsaufnahme durch Sprockhoff (1927 - 30) werden auf der privaten Homepage "www.steinzeugen.de" präsentiert.
Die bekannteren und häufig besuchten Großsteingräber befinden sich in gutem und gepflegtem Zustand. Die weniger bekannten Gräber waren z.T. stark verwildert und mit Gebüsch zugewachsen; das kleinere Gesträuch wurde bei der Begehung zurückgeschnitten. Bei einem Großsteingrab (Holzhausen 2, Sprockhoff 955) sind in jüngster Vergangenheit mindestens fünf Findlinge gestohlen worden
(in Skizze links durch X markiert). Die Mulden, in denen die Tragsteine gestanden hatten, waren 2006 noch klar zu erkennen.

Auch viele Hügelgräber befinden sich in erbärmlichen Zustand. Viele wurden bei der Neuaufforstung nach 1972 rücksichtslos überpflügt und mit Bäumen bepflanzt. Einige zeigen deutliche Grabungs-/Zerstörungsspuren jüngeren Datums (siehe Fotos unten), und mehrere Gräber, die noch in der topografischen Karte von 1997 im Bereich von landwirtschaftlichen Flächen verzeichnet waren, sind heute verschwunden, d.h. eingeebnet.
 

Eindeutig zu krass ist eine "Reinigungsaktion" ausgefallen, die ein Landwirt auf dem bekannten Hügelgrab Huntlosen durchführte, das früher mit seinem Baumbestand einen sehr hübschen Anblick bot. Nachdem vom Landbesitzer dort alle Bäume gefällt wurden, sieht das Hügelgrab jetzt eher traurig aus, zumal es durch starkes Anpflügen inzwischen nur noch eine rechteckige Form besitzt.

Text, Skizze und Fotos: Dr. B. Rothmann